Chou-Chou 10.09.2009 05:35
#44
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Oh, oh, oh, da hab ich in ein Wespennest gestochen. Warum diese harsche Rechtfertigung ausgerechnet mir gegenüber? Andere üben heftigere Kritik und werden nicht attakiert. Nun denn, dann mein Kommentar dazu.
Liebe Mimmi (da Du Dich ja anscheinend angegriffen fühlst) Darum geht es nicht. Du magst vielleicht ansonsten ganz nette Sachen machen, aber Eure Moderation an diesem Abend verdient diese Bezeichnung einfach nicht. Mit Ankündigungen wie: Ich weiß jetzt gar nicht, was als nächstes kommt, aber schaut halt einfach mal... (oder so ähnlich) erzeugt man keine Spannung.
Zu Deiner Frage, was "wir" damals wollten.
Einmal ging es um das Selbstbestimmungsrecht von Trans- was auch immer und die Entpathologisierung. Weg mit Formulierungen im Duden wie "Transvestismus ist die krankhafte Veranlagung, die Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen"
Zum anderen die Reformierung des Transsexuellengesetzes. Weg mit der Sterilierungsvorschrift (die dauerhafte Fortpflanzungsunfähigkeit), der Scheidungsvorschrift bestehender Ehen und die freie Wahl des Vornamens ohne medizinische Gutachten.
In meinen Augen verstößt das Transsexuellengesetzt gegen das Grundgesetz, dem Anspruch auch körperliche Unversehrtheit. Nunja, daß es Transsexuelle gibt, die gar nichts anderes wollen als möglichst schnell das Geschlecht zu wechseln und dann als Frau bzw. als Mann zu leben, ist deren selbstbestimmtes Recht. Mir geht es um ein Selbstbewußtsein zwischen den Geschlechtern.
(weiteres nachzulesen bei Judith Butler).
Ich gebe zu, ganz schön viel für eine Veranstaltung wie Wigstöckel, weil es ja auch eine Party sein soll.
Aber zum letzten Wigstöckel.
Wenn eine Performance schlecht ist, nehme ich mir die Freiheit, das auch so zu sagen.
Wo ist bitte der kreative Input, wenn zwei Drag Kings fünf Minuten lang zu irgendeiner Musik auf der Bühne von links nach rechts und wieder zurück laufen? Da ist es dann auch egal, ob die beiden aus Tel Aviv oder aus China sind. Schlecht bleibt schlecht. Oder wenn Les Tuxx lustlos eine zwanzig Jahre alte Nummer lippenunsynchron auf die Bühne bringen. Oder Tilly betrunken falsch singt...
Ja gut, dafür könnt Ihr als Orgateam nichts, ändert aber nichts an dem fehlenden Unterhaltungswert, von einer irgendwie gearteten politischen Ausssage ganz abgesehen. Übrigens habe ich einige Leute im Publikum gefragt, die das genauso sahen. Ich nehme mir halt die Zeit, Kritik dorthin zu tragen, wo sie entsteht. Wenn das allerdings die neue Qualität ist, die Key meint, dann gebe ich gerne zu, dass ich altmodisch bin.
Nach Ihrem Auftritt sind die meisten Akteure gegangen, auch Du, Key, und haben sich anderswo amüsiert. Unter gemeinsam feiern verstehe ich etwas anderes.
Ich hatte den Fehler gemacht, zu einem der Vorbereitungstreffen zu gehen. Die Diskussionen dort haben mir gezeigt, dass das Orgateam garnicht daran interessiert war, was ich dazu zu sagen habe, sondern darauf bestanden, es so zu machen, wie sie es geplant hatten. Ein Beispiel: Biggy und Ades sollten unbedingt dabei sein. Auf meine Fragen Warum? bekam ich die Antwort: Dann kommen mehr Leute. Ich hatte dagegen argumentiert, dass man Ades und Biggy das ganze Jahr über sehen kann. Außerdem haben sich Ades und Biggy in mehreren Interviews vom Thema Transgender distanziert, in einer Reportage Ende der 90er Jahre im Sergej zum Thema Transen in Berlin wurden Biggy, Ades, Zazie und noch jemand interviewt. Biggy sagte von sich, sie ist professionelle Blondine, Ades, er ist Entertainer. Thema verfehlt. Das ist ok, ich liebe und schätze Biggy und Ades spielt auch komische Frauenrollen, aber wenn bei einer Transgenderveranstaltung an prominenter Stelle Personen präsentiert werden, die im Grunde nichts damit zu tun haben, habe ich damit Schwierigkeiten. Dann sind alle Schauspieler Transgender. Oder sind wir nicht alle irgendwie Transgender. Wer bestimmt was Transgender ist? Das Orgateam von Wigstöckel? Warum dann nicht Mary einladen, dann kommen noch mehr Leute.
Wir diskutierten munter aneinander vorbei und ich beschloss, meine Zeit nicht damit zu vergeuden, von früher zu erzählen, sondern konstruktiv einen Beitrag für das Bühnenprogramm zu leisten. Ich fragte Ichgola, Bev, Melitta, ob sie mitmachen, aber musste mir harsche Kritik an Wigstöckel anhören. Dann hatte ich den nächsten Fehler gemacht, trotzdem (als zahlender Gast) zu Wigstöckel zu gehen. Das Ergebnis seht Ihr hier.
Im Übrigen ist ein ausverkauftes Haus kein Maßstab für Qualität. Ich bin oft genug auch an deren Samstagen im SO36 um einschätzen zu können, dass viele der Anwesenden übliches SO36-Publikum war. Na immerhin ist damit Geld für Transgenderprojekte reingekommen. Aber dem Text auf der Startseite dieser Homepage ist der Wigstöckel-Abend letztes Jahr nicht gerecht geworden.
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